Es ist Zeit mit Gott zu reden

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Offener Brief der AG Trier zu dem “Memorandum” deutschsprachiger Theologen

Sehr geehrte Damen und Herrn Professoren der Theologie,

mit Recht stellen Sie fest, dass das letzte Jahr bewiesen habe, dass tief greifende Reformen in der Kirche notwendig sind. Das sehen wir auch so. Nun fordern Sie einen Dialog über die Macht- und Kommunikationsstrukturen, über die Gestalt des kirchlichen Amtes und die Beteiligung der Gläubigen an der Verantwortung, an Fragen der Moral und der Sexualität. Kurz: Sie wollen eine andere Kirche; eine Kirche, die demokratisch mit Mehrheit über die Form der Kirche sowie über Fragen des Glaubens und
der Moral abstimmt und damit dem Mainstream unserer Zeit auf der breiten Straße folgen würde.
Sie unterstellen der Kirche einen selbstgerechten moralischen Rigorismus, der bei aktiv ihren Glauben lebenden Katholiken sofort die Frage aufkommen lässt, in welcher Kirche denn diese 143 Professoren leben? In Ihrer Beschreibung erkennen wir, die wir täglich in den Gemeinden mitarbeiten, unsere Kirche nicht. Ganz offensichtlich leben Sie in einer anderen Kirche.
Die notwendigen Reformen, die Sie zu Recht anmahnen, sehen wir allerdings anders, nämlich in den Fragen des Glaubens. Jahrzehntelang wurde die Übernatur, der Himmel, das Mysterium, die persönliche Gottesbeziehung, Anbetung in der Eucharistie und Lobpreis von der Mehrheit der Theologen herunter bzw. lächerlich gemacht. Ganzen Generationen wurde hierzulande im Studium der Theologie und vor allem im Religionsunterricht der in der Kirche treu bewahrte Glaube aus der Lehre Christi und seiner Apostel ausgetrieben. Damit haben diese Theologen unzählige Menschen von der Quelle des Lebens vertrieben und sie dazu gebracht, das Mysterium Fidei an den trüben Pfützen der Esoterik oder in anderen Religionen zu suchen.

Die Verantwortung dafür tragen Sie nicht alleine sondern auch die Bischöfe, die diesem Treiben jahrzehntelang zugeschaut haben. Die Krise der Kirche ist also eine Krise des Glaubens. Nur in einem Klerus, der in weiten Teilen dank Ihrer “modernen” theologischen Ausbildung nicht mehr weiß, was ein geistliches Leben ist, konnten solche
Verfehlungen entstehen.

Deshalb müssen wir zurückkehren zum Evangelium, dessen frohe Botschaft mit der Aufforderung beginnt: “Kehrt um!”

Ein gerade in diesen Tagen für Sie völlig unverdächtiger Zeuge hat vor wenigen Jahren eine entscheidende Feststellung für die Neubelebung der Kirche getroffen. Karl Kardinal Lehmann sagte in seinem Interviewbuch “Es ist Zeit von Gott zu reden”, es sei für die Wiedergewinnung des Glaubens entscheidend wichtig, dass wir neu lernen, die Größe und Majestät Gottes zusammenzudenken mit Seiner Liebe und Nähe. Genau das ist es. Die Wiederbetonung der Übernatur. Und das ist genau das, was die Kirche uns 2000 Jahre lang in Treue zum Wort Gottes gelehrt hat. Die Größe und Majestät Gottes haben die meisten Theologen uns ausgeredet und Gott damit harmlos gemacht und den Himmel auf den irdischen Bereich verlegt.
An einem solchen Gott sind die Menschen aber nicht interessiert, weil er ihnen keine Hoffnung geben kann. So resignierten viele und wandten sich ab.
Selbst von außerhalb, aus der Wirtschaft geholten Marketingberater, die dieses “Kerngeschäft” anmahnten, wurden nicht gehört.
Ein Blick auf den Zustand der EKD lässt Sie ebenfalls kalt. Wenn man bei den Evangelischen mal die Bekennenden, die Evangelikalen und die Charismatiker abziehen würde, würde deren Kirchenbesuch und das Gemeindeleben gegen Null gehen. Auch die Ereignisse in der anglikanischen Kirche scheinen Sie nicht zu berühren. Vielleicht können ja
die Hirnforscher, Psychologen und Soziologen, bei denen sich viele von Ihnen Ihre Überzeugungen abholen, erklären, warum diese Tatsachen nicht in Ihr Bewusstsein dringen.

Eines, meine Damen und Herren Professoren der Theologie, haben sie ganz sicher erreicht mit Ihrem Memorandum. Es werden sich nun viel Gläubige fragen, wozu wir eigentlich noch ca. 50 theologische Ausbildungsstätten an Universitäten und Hochschulen brauchen, wenn wir offensichtlich das kirchliche Lehrpersonal dafür nicht mehr haben. Angesichts des Gläubigenmangels und des mangelnden Nachwuchses müssten doch 5 Fakultäten einschließlich der Katholischen Universität völlig ausreichen. Diese ließen sich dann mit den immer noch vorhandenen der Kirche treuen Theologen mühelos besetzen. Politik und Finanzen werden in diese Richtung weisen.

Die Kirche ist da, wo Petrus ist und nicht da, wo Sie sind, meine Damen und Herren.
Die Menschen auf der britischen Insel, Katholiken und Nichtkatholiken, haben das im vergangenen Jahr auf unvergessliche Weise bewiesen Reformen sind nötig, weil nur die die Macht erhalten, ein Kind Gottes zu sein (wer kann das ausdenken?), die Jesus Christus und in Ihm den Vater in ihr Herz aufnehmen und sich ausstrecken nach der Welt, “die unsichtbar sich um uns weitet”.
Nötig ist es, die Bürokratie und die Überinstitutionalisierung in der Kirche drastisch abzubauen, damit die Bischöfe und die Priester wieder Zeit für Gott und die Menschen finden. Dialog ist immer gut. Er muss aber auch und besonders mit denen geführt werden, die dem Lehramt noch treu vertrauen; “denn wer mit den Menschen spricht ohne mit Gott zu reden, dessen Wort vollendet sich nicht.” (Martin Buber: Oben und Unten)

Dr. phil. Michael Schneider-Flagmeyer
Dr. med. Stefan Schilling

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