“Am Papst orientieren”

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Zum Artikel „Götterdämmerung im Vatikan“ (TV vom 17. Oktober 2002) –

Meine Wahrnehmung zum 25. Jahrestag des Beginns des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. ist eine völlig andere als die in dem oben genannten dpa – Artikel beschriebene: ich sehe keine „Götterdämmerung“, keinen Stillstand, kein sich Entfernen von den Gläubigen, sondern genau das Gegenteil. Dieser Papst hat es wohl wie kaum einer seiner Vorgänger geschafft, bis zum heutigen Tag durch sein besonderes Charisma und sein Zugehen auf die Menschen, sich eine besondere Autorität zu schaffen. Er begeistert Millionen Menschen – nicht zuletzt auch die Jugend. Dies ist immer wieder bei seinen zahlreichen Reisen und Auftritten in der Öffentlichkeit zu beobachten. Trotz seines Alters und seiner Gebrechen hat der Papst nichts von seiner Faszination verloren. Wer seine aktuellen Veröffentlichungen liest, ist nach wie vor von der
Klarheit und Überzeugungskraft seiner Gedanken beeindruckt. Sich am Katholizismus und damit natürlich besonders am Papst zu reiben, gilt in Deutschland schon immer als besonderes Zeichen einer pseudointellektuellen Liberalität. Die katholische Kirche in Deutschland krankt allerdings nicht an einer zu geringen Öffnung zur Welt, sondern ganz im Gegenteil an einer oft schwer zu ertragenden Anbiederung an den Zeitgeist. Wenn Priestermangel und leere Kirchenbänke durch „moderne“ Änderungen wie Frauenpriestertum, Lockerung des Zölibats und anderer Dinge verschwinden würden, dann dürfte sich ja die evangelische Kirche vor Zulauf und Überfüllung kaum retten können.
Dort sind doch viele Forderungen zeitkritischer Katholiken längst umgesetzt. Das Gegenteil ist richtig: nicht noch mehr „moderne“ Reformen sind derzeit in der Kirche erforderlich, sondern wieder echte Vermittlung von Glaubenswissen in Religions- und Erstkommunionunterricht, eine besondere Verehrung der Eucharistie durch Anbetung und würdige liturgische Formen, eine Betonung der Verehrung Mariens, eine Wiederbelebung der Beichte usw.

Nicht ein neues Konzil ist daher erforderlich, sondern eine Orientierung gerade an Rom, an diesem Papst. Er hat in den letzten 25 Jahren bis in die heutigen Tage hinein ungemein segensreich gewirkt. Viele seiner so oft kritisierten Äußerungen haben sich schon jetzt als prophetisch und weitblickend herausgestellt.

Dr. med. Stefan Schilling, 54294 Trier

Erschienen im Trierischen Volksfreund am 2. November 2002

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