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Leserbrief im Fels – Ausgabe 2/2009 zum Weltbildverlag

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In der deutschen Presse ist zu lesen, dass die Bischöfe sich entschlossen hätten, den Weltbildverlag zu verkaufen. Ein weiser Beschluss, hat man doch nun endlich eingesehen, dass die Kirche einen solchen Konzern nicht betreiben kann, auch weil die von den Bischöfen eingesetzten Kontrollinstanzen jämmerlich versagt haben und noch versagen. Das gilt besonders für den Aufsichtsrat, der aus leitenden Vertretern der bischöflichen Ordinarien besteht, ja in dem sogar ein Prälat der Kirche sitzt. Leider hört man vom Verkauf nun nichts mehr.

Was der Weltbildverlag in den vergangenen Jahren alles so getrieben hat, ist von Seiten der katholischen Laien seit vielen Jahren bei den Bischöfen moniert worden. Unablässig sind die Bischöfe auf die Missstände aufmerksam gemacht worden. Zugute halten muss man ihnen, dass das meiste dieser Beanstandungen im kirchlichen Apparat verschwunden ist und von den Bischöfen nie gesehen wurde. Das ist in Deutschland so und kann nur von den Bischöfen geändert werden. Aber jetzt schon muss man der Legende vorbeugen, dass das Kontrollsystem nur in einzelnen Fällen versagt habe und ansonsten alles stimme. Seit Jahren macht der Weltbildverlag seine Milliarden auch zu einem großen Teil mit Pornographie, Satanismus, weißer und schwarzer Magie, Hexen und Blutritualen, Blasphemie, Gotteslästerung, Okkultismus jeder Art, Esoterik, Genderideologie, Kirchenkritik etc. Noch im Schreiben dieser Zeilen kommt mir die „Unglaublichkeit“ dieser Dinge zum Bewusstsein. Aber wer es nicht glauben wollte oder will, kann und konnte sich davon im Internet überzeugen, auch wenn jetzt, nachdem die Presse die Sache aufgegriffen hat, einige der schlimmsten Artikel aus dem Internet gelöscht wurden. Besonders schlimm ist auch das „Musikangebot“ des Verlages, weil hier die üblen satanistischen Texte im Internet von Jugendlichen angeklickt und zum Teil angehört werden können. Zwei Beispiele: So wurde die „erste deutsche Satansbibel“ beim Weltbildverlag trotz mehrfacher Beanstandung bei den bischöflichen Gremien abverkauft. Vom selben Autor erschien ein Buch „Die dunklen Seiten von Jesus“. Ich zitiere aus dem Begleittext des Weltbildverlages: „War Jesus der Sohn einer Prostituierten? War er schwul? Schwer erziehbar? Ein Junkie? Verheiratet mit Maria Magdalena? … So lauten diese Fragen, die der Autor in diesem Buch mit theologisch wissenschaftlicher Sorgfalt zu beantworten versucht … Er will Jesus dort begegnen, »wo wir alle uns von Zeit zu Zeit die Hand reichen: in den Regionen der Lust des Lasters, des Verschwiegenen, der Tabus, des Dämmerlichts«.“

Nachdem ich dieses gelesen hatte, rief ich unverzüglich ein mir bekanntes Mitglied des Aufsichtsrates an und fragte ihn, ob er und ich noch bei diesen Dingen schlafen könnten. Eine Stunde später waren die Bücher dieses Autors aus dem Angebot des Weltbildverlages im Internet gelöscht. Aber es gab immer nur diese kleinen Einzelerfolge ansonsten: business as usual. Es handelt sich hier nicht um einige wenige Ausrutscher sondern um Tausende(sic!) von Artikeln, wie im Internet einzusehen war und ist. Einige Hunderte habe ich ausgedruckt und aufbewahrt. Erst Anfang Januar hat kath.net wieder ein Lehrbuch des Satanismus aus dem Weltbildverlag angeprangert. Dieses ist ja wohl ein Beweis dafür, dass sich Vorstand und Aufsichtsrat des Verlages einen Dreck um die Anweisungen der Bischöfe scheren. Hier wird noch einmal ein entscheidendes Licht auf den Zustand des kirchlichen Apparates geworden. Die Bischöfe schienen wohl eingesehen zu haben, dass dieses Unternehmen moralisch nicht zu sanieren ist und auch nicht zu kontrollieren ist. Leider aber erst, nachdem die Presse aufmerksam wurde, was lange genug gedauert hat. So der FOCUS mit seinem Artikel „Raffgier auf katholisch“, die FAZ und andere Zeitungen.

Was bislang noch wenig bedacht wurde, ist der geistliche Schaden. Was werden die Bischöfe tun, um diesen zu beheben? Mea Culpa? Es muss doch jedem Christen aus dem Evangelium einsichtig sein, dass Gott nicht eine Kirche will, die solche Geschäfte betreibt. Wir müssen alle das Wort Christi wieder ernst nehmen: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen“. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass hier der Grund liegt, warum hier in Deutschland auf kirchlichem Boden geistlich so wenig wächst und das Vorhandene noch dahinschwindet. Diese Verhältnisse liegen wie eine Bleiglocke auf dem geistlichen Leben der Kirche bei uns und lähmen alles. Was nutzen all die schönen Predigten unserer Bischöfe, wenn Mitarbeiter in den kirchlichen Institutionen ihr Wort ständig konterkarieren? Seit über 20 Jahren hat Papst Benedikt noch als Kardinal die Bischöfe auf den Klotz der Überinstitutionalisierung der Kirche in Deutschland deutlich und wiederholt hingewiesen. So gut wie nichts ist geschehen; kann auch nicht; denn die oben erwähnte geistlich Bleiglocke liegt auch seit Jahrzehnten über der deutschen Bischofskonferenz.

Wirkliche Umkehr ist hier angesagt, damit Gott der Kirche neues Leben schenken wird. Beten wir unablässig für die Bischöfe, dass der Geist Gottes ihnen die Kraft gibt, diesen Institutionalisierungswahn in Deutschland zu beenden.

Dr. Michael Schneider-Flagmeyer

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