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Gibt es eine Lösung für Limburg?

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Eigentlich sollte nach der Entscheidung des Papstes und der Einsetzung der Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zur Prüfung der umstrittenen Baumaßnahmen auf dem Limburger Domberg jetzt ein wenig Ruhe einkehren, zumindest bis die Ergebnisse der Kommission vorliegen und der Papst eine Entscheidung getroffen hat.
Aber es kehrt keine Ruhe ein. Warum nicht? Hatte nicht das Domkapitel in den Gesprächen mit dem päpstlichen Sondergesandten und ehemaligem Nuntius in Deutschland, Kardinal Lajolo, Versöhnungsbereitschaft und Loyalität dem Bischof gegenüber versprochen? Das war doch nun wirklich eine Vorraussetzung für eine mögliche Befriedung. Und dann kam die unsägliche Pressekonferenz des Domkapitels unter Leitung des Domprobstes Geis, in der dieses Gremium durch seine Sprecher Geis und dem in Sportkleidung erschienenem Frankfurter Dekan Johannes zu Eltz das Gegenteil tat, was es noch dem päpstlichen Sondergesandten, Kardinal Lajolo, versprochen hatte.
Man fiel mit absoluter Unversöhnlichkeit und ganz offen gezeigtem Hass wieder über Bischof Tebartz-van Elst her, lehnte jede Versöhnung ab und schloß kategorisch eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg aus. Es wurde jedem Zuhörer klar, dass man damit auch für die Kommission der DBK und den Heiligen Stuhl Tatsachen schaffen wollte, die Druck erzeugen.
Offensichtlich haben diese Herren nicht mitbekommen, warum sich der Heilige Stuhl und der Papst nun schon zum zweiten Mal für den Bischof eingesetzt haben und die Wünsche des Domkapitels ignoriert haben. In Rom hält man nämlich sehr wenig von dem Limburger Domkapitel und seinen beiden Hauptsprechern. Das wurde darin deutlich, dass man in Rom es nicht einmal für nötig gehalten hat, das Domkapitel und den abgesetzen Generalvikar direkt oder durch den Nuntius von den Beschlüssen des Papstes in Kenntnis zu setzen. Warum wohl? Das hätten sich diese Herren doch fragen müssen.
Der Vatikan ist sehr ausführlich über die Verhältnisse in Limburg informiert und das seit Jahrzehnten. Man weiss sehr gut, dass die Krise in Limburg ihre Quellen unter den beiden Vorgängerbischöfen hat und im Grunde wenig mit den jetzt hochgespielten Bauverhältnissen zu tun hat.
Es geht nämlich in Limburg um einen Kirchenkampf, in dem sich seit Jahrzehnten zwei Grundfronten unter dem Klerus gebildet haben, der dann die Gläubigen über so lange Zeit in ihrer Meinung geprägt hat. Zwei Auffassungen von Kirche stehen sich gegenüber. Die eine, die dem römischen Lehramt der Päpste und des Konzils folgen will und die andere, dissidente, die dem sogenannten “Geist des Konzils” folgen will und eine andere, von Rom weitgehend unabhängige Kirche will. Diese Fraktion, die es in der ganzen deutschen Teilkirche gibt bis in das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken hinein, hat unter Duldung der Bischöfe Kempf und Kamphaus in Limburg die Oberhand gewonnen, wobei man Alt-Bischof Kamphaus, der persönlich fromm und bescheiden, um eine menschliche Pastoral bemüht war und ist, den Vorwurf nicht ersparen kann, die Verwaltung, das Domkapitel und den Klerus nicht eindeutig geführt zu haben im Sinne des Kirchenbegriffs, wie es das Zweite Vatikanische Konzil in der dogmatischen Konstitution über die Kirche “Lumen Gentium” festgelegt hat.
So führten denn Verwaltung und Klerus ein Eigenleben, in dem vieles möglich war, was gläubige Katholiken tief verletzte und zur Resignation brachte. Proteste gegen diese Verhältnisse sowie Beschwerden an den Bischof wurden Jahrzehnte lang abgeschmettert oder ignoriert. Nachdrücklich hat auf diese Verhältnisse die Limbruger Diözesanrätin Barbara Wieland, Mitglied im ZdK, in der FAZ und im Kölner Domradio hingewiesen und auch gleich betont, dass sich daran mit einem neuen Bischof nichts ändern wird.
Dieser Kirchenkampf wird unausgesprochen seit Jahrzehnten in Limburg mit einer Bitterkeit, ja sogar mit Hass geführt vor allem von den “Progressiven”, zu denen auch das Domkapitel gehört und seit einer Reihe von Jahren mit ihm auch der Frankfurter Stadtdekan zu Eltz, in dem viele immer noch einen theologisch sehr kirchentreuen Priester sehen, der er zweifellos einmal war. Viele Gläubige haben aber in Frankfurt und im ganzen Bistum seine Wandlung bemerkt und verstanden. Selbst der Regionalleiter der FAZ, der Limburger Ex-Priester Stefan Toepfer ordnet den Dekan dem Hofheimer Kreis zu (so am 30.10.13 in der FAZ). Dieser Kreis von dissidenten Priestern hat nach eigenen Angaben ein Jahr lang geheim getagt und steht im offenen Widerspruch zur Lehre der Kirche in vielen Punkten.
Nun kam der neue Bischof Tebartz-van Elst aus dem katholischen Münster, vom Domkapitel selbst gewählt, und bestand auf seiner Absicht, das Bistum wieder ganz an der Lehre der Weltkirche zu erneuern. Die Herren vom Domkapitel mussten erkennen, dass sie den Bischof nicht in den Griff bekamen und ihn von ihren und den Hofheimer Ideen nicht überzeugen konnten. Dabei kamen ihnen die Fehler, die der Bischof machte zu Hilfe und sie glaubten, ihn mit diesen und der Geschichte des Bauvorhabens kaltstellen zu können. Inzwischen sind aber vor allem auch durch die Veröffentlichung aus den Akten durch die größte katholische Internetplattform kath.net ein Teil der Machenschaften bekannt geworden und selbst die extrem kirchenfeindliche Süddeutsche Zeitung musste dieses anererkennen.
Was also kann die Lösung für das Bistum Limburg sein? Zuerst müssen diese unterschiedlichen Auffassungen von Kirche offen diskutiert und im Sinne des II. Vaticanums (Lumen Gentium) und nicht im Sinne eines ominösen “Geist des Konzils” gelöst werden. Das braucht Zeit, Verständnis, viel guten Willen und vor allem Geduld; denn “die Geduld ist die Vollendung der Liebe” (St. Ambrosius von Mailand). Das gilt übrigens für die ganze Kirche in Deutschland. Bei dieser Klärung des Kirchenbegriffs in Sinne und Buchstaben des Konzils ist die Deutsche Bischofskonferenz nicht mit ihrer berühmt-berüchtigten “Ausgewogenheit” gefragt, sondern mit klarer und deutlicher Führung für das ganze Volk Gottes hierzulande und in völligem Einklang mit dem Papst. Aber noch eine weitere Lehre aus Limburg gilt für die ganze Kirche in Deutschland. Das von Papst Benedikt so klar angesprochene Thema der “Entweltlichung” kann nun nicht weiter von den Bischöfen unter den Tisch gekehrt werden; denn dafür steht Papst Franziskus, der dieses große Thema seines Vorgängers nun zügig vorantreibt. Und dabei geht es nicht mehr nur um Bischofwohnungen- und Autos, sondern um alle Strukturen, Gremien und Institutionen der Kirche (z.B. Weltbildverlag und das ganze Finanzgehabe der Kirche). Und dazu gehören auch die Domkapitel und Ordinariate mit ihren Bürokratien.
Und die Herren des Limburger Domkapitels sollten sich schnell darüber klar werden, dass auf ihre Forderung nach einem Neuanfang mit einem neuen Bischof auch der Beschluss des Papstes antworten könnte, das Domkapitel aufzulösen und mit anderen Perönlichkeiten neu zu beginnen. Die erste deutsche und heftige Kritik des Frankfurter Dekans zu Eltz an Papst Franziskus kann und wird hoffentlich dieses beschleunigen.
Das Thema Limburg wird und muss uns noch lange beschäftigen; denn hier geht es darum, was katholische Kirche war, ist und in Zukunft sein wird.

Michael Schneider-Flagmeyer

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