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Gesegneter Ehebruch

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Was man da aus der Erzdiözese Freiburg hört, dürfte sowohl unter moralischen als auch kirchenrechtlichen Gesichtspunkten nichts weniger als ein kirchlicher Skandal sein. Wer eine vor Gott unauflösliche Ehe staatlich scheiden lässt und danach, wiederum nur staatlich und nicht vor Gott gültig, heiratet und diese Zweitehe auch vollzieht, begeht Ehebruch. Und bei Fortdauer eines solchen Eheverhältnisses lebt der Betroffene im Dauerzustand dieser objektiv schweren Sünde. Diese Situation kann nur aufgelöst werden durch den gültigen Empfang des Bußsakramentes und nicht durch irgendein „Seelsorgegespräch“. Nun mag im Rahmen eines solchen Seelsorgegesprächs auch die Beichte abgelegt werden. Zu dieser aber gehören Reue und guter Vorsatz. Konkret für wiederverheiratete Geschiedene heißt das, dass der Betroffene seine eheliche Vereinigung mit dem Zweitpartner vor Gott bedauert und den ernsten Entschluss fasst, von solcher Vereinigung in Zukunft Abstand zu nehmen. Sollte das gemeint sein, wäre es überhaupt nichts Neues: Schon seither hat die Kirche Menschen in einer kirchlich ungültigen Ehe erlaubt, die Sakramente zu empfangen, wenn sie zusicherten, in Zukunft „wie Bruder und Schwester“ zu leben, das heißt, sich der geschlechtlichen Vereinigung zu enthalten. Sollte von der Erzdiözese Freiburg nichts anderes gemeint sein, fragt sich, was der publizistische Aufwand um die neue Handreichung soll.

Dass indessen eben doch eine Abweichung von der Lehre der Gesamtkirche gemeint ist, erhellt ein Ritual, dass man in Freiburg neu erfunden hat: Wiederverheiratete Geschiedene sollen nach einer Gebetshandlung einen Segen für ihr künftiges Zusammenleben erhalten. Ist man sich in Freiburg hinreichend klar, damit Sünde segnen, dass heißt, förmlich unter Gottes Schutz stellen zu wollen? Ist man sich darüber im Klaren, was das Gott gegenüber bedeutet? Wie ordnet man die Erlaubnis zum Kommunionempfang ein in das mahnende Wort der Schrift, wer dieses Brot unwürdig, d.h. ohne Stand der Gnade, empfange, esse sich das Gericht? An dieser Mahnung führt doch kein so gut gemeintes seelsorgerisches Bemühen vorbei? Im Gegenteil: Man macht sich selbst schuldig, andere zum unwürdigen Kommunionempfang verleitet zu haben. Und das neue Ritual gibt dem Ganzen noch den Anschein ausdrücklicher Anerkennung durch jene Institution, die den Menschen zum Heil zu führen berufen ist.

Kirchenrechtlich wirft die Handreichung mehrere Fragen auf. Die Erzdiözese Freiburg hat gegenwärtig keinen Bischof. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch ist nur noch Administrator mit eingeschränkten Rechten. Zu Neuerungen schwergewichtiger oder grundsätzlicher Art ist der Administrator nicht befugt. Nun wird vermeldet, Zollitsch habe das Papier nicht unterschrieben. Dann aber handelte es sich um einen Alleingang einer nachgeordneten Stelle; in der Presse wird das Seelsorgeamt und dessen Leiter genannt. Hätte der Administrator dem nicht Einhalt gebieten müssen?

Bernhard Mihm

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