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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Teresa von Avila (1515-1582)

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Teresas Großvater war ein sephardischer Jude aus Toledo, der, vor die Wahl gestellt das Land zu verlassen oder zu konvertieren, mit seiner Familie  zum Christentum übertrat und von Toledo nach Avila übersiedelte. Als Conversos von der Inquisition argwöhnisch beobachtet gelang es der Familie jedoch, sich in der christlichen Gesellschaft zu assimilieren. Teresa war das dritte von zehn Kindern der Eheleute Alonso Sanchez de Cepeda und Beatriz de Ahumada. Der Vater achtete darauf, dass sie lesen und schreiben lernte, die Mutter vermittelte ihr die Faszination für das Leben und Sterben der Heiligen, so dass sie schon mit sieben Jahren von zu Hause weglief, weil sie das Martyrium unter den Mauren erleiden wollte. Die Mutter starb, als Teresa 13 Jahre alt war und in Teresa die Bereitschaft grundgelegt war, das Leben als Wagnis und Bewährung anzunehmen.

Drei Jahre später brachte sie der Vater zur weiteren Erziehung ins Augustinerinnenkloster Santa Maria de la Gracia in Avila, das sie aber nach 18 Monaten aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste. In der Zeit der Genesung widmete sie sich religiösem Schrifttum und befasste sich mit Briefen des Kirchenvaters Hieronymus. Ihre intensive geistige Tätigkeit erklärt, warum sie mit ihren eigenen Schriften für die Renaissance in Spanien nationale Bedeutung erlangte. Ihr Werk „Die innere Burg“ ist ein Juwel der Weltliteratur. Nach der Lektüre der Autobiographie sagte Edith Stein: „Das ist die Wahrheit.“ Mit 20 Jahren trat Teresa  in den Karmel Santa Maria de la Encarnacion in Avila ein und legte mit 22 Jahren ihr Ordensgelübde ab. Als sie ein Jahr später ernsthaft erkrankte und außerhalb des Klosters Heilung suchte, wurde sie durch die Schrift des Franziskaners Francisco de Osuna „Drittes geistliches ABC“ in ihrem bereits geübten inneren Gebet bestärkt. Todkrank kehrte sie ein Jahr später ins Kloster zurück und fiel dort in eine todesähnliche Starre, sodass die Gemeinschaft schon die Totengebete sprach und das Grab bereits ausgehoben wurde. Nach drei Tagen zum Leben zurückgekehrt blieb sie drei Jahre lang mehr oder weniger gelähmt. In eine religiöse Krise geriet sie, weil sie sich für die Begegnung mit Christus im Gebet für zu schlecht hielt. Ein geistlicher Seelenführer half ihr aus dieser Krise. In der Folgezeit lernte sie das oberflächliche, verweltlichte Leben im Kloster kennen.

1554  machte  sie tiefe Gebetserfahrungen, erlebte Visionen und sah sich in Ängsten und Schrecken.

Kundige Seelenführer, darunter Francisco de Borja, konnten ihr helfen und sie leiten. 1559 erlebt sie die Vision der Hölle, ein Jahr später erfuhr sie in einer Vision, wie ein Engel mit dem Pfeil der göttlichen Liebe ihr Herz durchbohrte (von Bernini in einer Skulptur in der Kirche Santa Maria della Vittoria dargestellt). In diesem Jahr reifte in ihr der Entschluss, ein Kloster zu gründen mit der ursprünglichen Regel des Karmelitenordens: Rückkehr zur inneren Einkehr, vertieftes Gebetsleben und strenge klösterliche Ordnung. Als erstes Kloster wurde der Convento de San José, der „unbeschuhten Karmelitinnen“, mit dem Einverständnis des Ortsbischofs und der Erlaubnis des Papstes gegründet. Es folgten weitere Neugründungen von Frauenklöstern und schließlich mit der Unterstützung von Johannes vom Kreuz auch Neugründungen des männlichen Zweiges. Mit Johannes von Kreuz wurde als Ziel vorgegeben: Persönlich sollten sich die Mitglieder der Ordensgemeinschaft ins Loslösen vom eigenen Ich einüben, was die Voraussetzung für die  zunehmende Freundschaft mit Gott ist. Das Bemühen um Selbsterkenntnis führt zur wahren Demut. Ein familiärer Umgang der Ordensleute soll den Lebensstil prägen.

Es blieb nicht aus, dass Teresa angefeindet wurde. Doch ein Briefwechsel mit Philipp II., dem König von Spanien, führte dazu, dass ihr weitere Ordensgründungen erlaubt wurden. In Alba de Tormes, wo sie der Herzogin bei der Niederkunft beistehen sollte, starb Teresa am Abend des 4. Oktober 1582. Am folgenden Tag, dem 15. Oktober (Kalenderreform), dem Beginn der gregorianischen (Papst Gregor XIII.) Kalenderreform, trug man sie zu Grabe, eine Reformerin in den Zeiten der Reformation.

Gerhard Stumpf

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